r/Aktien • u/derspekulant1 • 21h ago
Grundlagen Stop-Loss nachgerechnet, 57.893 Käufe von US-Aktien: Wenn er verkauft hat, stand die Aktie ein Jahr nach dem Kauf in 7 von 10 Fällen wieder höher
Am 1. Oktober 2024 kauft jemand Apple für 226,21 Dollar. Er macht was man oft liest und setzt einen Stop-Loss 15 Prozent darunter, bei 192,28.
Ein halbes Jahr passiert nicht viel. Dann kommt Anfang April die Zoll-Ankündigung. Am 4. April schließt Apple bei 188,38. Der Stop greift, die Aktie ist weg. Mit Dividenden steht er bei minus 16,5 Prozent. Zwei Handelstage später steht Apple bei 172,42. Bis dahin sieht der Stop richtig gut aus. Ein Jahr nach dem Kauf am 1. Oktober 2025, steht die Aktie aber bei 255,45. Wer nichts gemacht hat liegt mit Dividenden bei plus 13,5 Prozent.
Ein Einzelfall klar. Ich wollte wissen, wie oft das so läuft.
Gerechnet hab ich mit 486 US-Aktien. Jede kaufe ich am ersten Handelstag jedes Monats, von Juni 2015 bis September 2025. Das sind 57.893 Käufe. Jeden Kauf rechne ich zweimal durch. Einmal ein Jahr gehalten, einmal mit Stop-Loss. Schließt die Aktie unter der Marke verkaufe ich zum Schlusskurs von diesem Tag. Danach liegt das Geld ohne Zins bis zum Ende des Jahres rum, ohne Wiedereinstieg. Abgerechnet hab ich für beide am selben Tag, zwölf Monate nach dem Kauf. Dividenden sind auch drin. Getestet hab ich feste Stops 10, 15, 20 und 25 Prozent unter dem Kaufkurs und nachgezogene, die hinter dem höchsten Kurs seit dem Kauf herlaufen.
Eins vorweg. In meinen Daten sind nur Firmen, die es heute noch gibt. Pleiten fehlen und genau da hätte ein Stop am meisten gebracht. Es fehlen aber auch Firmen die übernommen wurden. Die laufen bis zur Übernahme ganz anders. Wie sich das am Ende ausgleicht weiß ich nicht.

Apple war kein Ausreißer
Der Stop 15 Prozent unter dem Kaufkurs hat bei 43,9 Prozent aller Käufe ausgelöst. In 70,7 Prozent dieser Fälle stand die Aktie ein Jahr nach dem Kauf höher als beim Verkauf. Bei 39,8 Prozent wäre man mit Halten sogar im Plus gelandet.
Am Abstand liegt das kaum. Beim Stop mit 10 Prozent stand die Aktie danach in 69,8 Prozent der Fälle höher, bei 25 Prozent in 73,5. Ein weiter Stop löst seltener aus. Wenn er auslöst, war es aber genauso oft oder sogar öfter zu früh.
Im Median fällt eine Aktie im Lauf eines Jahres irgendwann rund 12 Prozent unter den Kaufkurs. Für einen Stop bei 10 Prozent reicht das. Er hat bei 57,8 Prozent aller Käufe verkauft.
Was er kostet
Ohne Stop kamen die Käufe nach einem Jahr im Schnitt auf plus 19,3 Prozent, im Median auf 13,4. Mit dem Stop bei 15 Prozent waren es 12,2 und 2,7. Im Minus lagen ohne Stop 30,7 Prozent der Käufe, mit Stop 48,1.
Je weiter weg der Stop, desto weniger kostet er. Bei 10 Prozent blieben im Schnitt 10,0 Prozent Rendite, bei 20 Prozent 13,8 und bei 25 Prozent 15,1. Alle lagen unter den 19,3 vom Halten. Mit 3 Prozent Zins auf das Geld nach dem Verkauf käme der 15er Stop auf 12,9 statt 12,2.
Nachgezogene Stops waren noch teurer. Sie laufen hinter dem Hoch her und lösen viel öfter aus. Mit 10 Prozent Abstand hat er bei 94,5 Prozent der Käufe irgendwann verkauft, im Schnitt blieben 3,6 Prozent. Mit 25 Prozent Abstand waren es 43,4 Prozent der Käufe und 11,5 Prozent Rendite.
Wann er Geld gerettet hat
16,0 Prozent aller Käufe lagen irgendwann im Jahr mehr als 30 Prozent unter dem Kaufkurs. Bei 4,8 Prozent war das am Ende immer noch so. Diese Fälle hat der Stop bei 15 Prozent fast komplett abgefangen. Mit Stop endeten nur 0,3 Prozent so tief. Das sind Kurslücken, bei denen die Aktie an einem Tag weit unter die Marke gefallen ist.
Das schlimmste Zehntel der Käufe lag ohne Stop zwischendurch mindestens 36,4 Prozent unter dem Kaufkurs. Mit Stop lag diese Grenze bei 17,3 Prozent. Ganz genau trifft der Stop seine Marke nicht. Verkauft hat er im Median 1,3 Prozent unter der Marke, beim schlimmsten Zehntel 5,8 Prozent darunter. Wer 15 Prozent einstellt, landet also eher bei 16 und manchmal bei 20 Prozent Kursverlust.
Jahr für Jahr
Nach Kaufjahr getrennt lag der Stop im Schnitt nur einmal vorne, bei Käufen aus 2021, mit 4,5 gegen 4,1 Prozent. Am häufigsten hat er bei Käufen aus 2019 ausgelöst, bei 68,1 Prozent. Bei den meisten dieser Käufe fällt der Corona-Crash vom März 2020 in das Jahr danach. Gehalten kamen sie im Schnitt auf 12,0 Prozent, mit Stop auf 0,7. Auch bei Käufen aus 2022 lag Halten vorne, mit 6,9 gegen 0,1.
Die Haken an der Rechnung
Ich hab nur Schlusskurse. Ein echter Stop im Handelsverlauf löst mindestens so oft aus, auch an Tagen, an denen die Aktie bis zum Abend wieder hochkommt. Es sind nur US-Aktien. Kosten und Steuern sind nicht drin. Käufe derselben Aktie überschneiden sich, die Fälle sind also nicht unabhängig. Und wer nach dem Stop wieder einsteigt, rechnet anders. Das hab ich nicht getestet.
Ich nehme daraus mit, dass ein Stop-Loss bei Einzelaktien vor allem eine Versicherung ist. In fast allen Jahren hat sie Rendite gekostet. Gezahlt hat sie in den wenigen Fällen, in denen eine Aktie richtig abgestürzt und unten geblieben ist.
Nutzt ihr bei Einzelaktien einen Stop-Loss? Und wenn ja, fest oder nachgezogen? Falls ihr eine Börsenregel habt, die ich als Nächstes nachrechnen soll, schreibt sie drunter.
Keine Anlageberatung, eigenes Research. Vergangene Ergebnisse sagen nichts über die Zukunft.