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Feminismus in Deutschland unnötig
Ich bin ehrlich abgefuckt von Menschen, die behaupten, wir bräuchten in Deutschland keinen Feminismus mehr, weil Frauen laut Gesetz doch längst gleichberechtigt seien. Als wäre ein Gesetz irgendein magischer Schutzschild, der dafür sorgt, dass Diskriminierung, Sexismus und Ungerechtigkeit plötzlich nicht mehr existieren. Nur weil etwas auf dem Papier steht, bedeutet das nicht, dass es auch in der Realität umgesetzt wird. Im Grundgesetz steht schließlich auch, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, und trotzdem existieren Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit und Diskriminierung. Niemand würde ernsthaft behaupten, wir bräuchten deshalb keine Antirassismusarbeit mehr, weil doch alle Menschen angeblich gleich behandelt werden müssen. Warum wird bei Feminismus dann plötzlich so getan, als wäre die bloße Existenz eines Gesetzes der endgültige Beweis dafür, dass jedes Problem gelöst ist? Frauen werden immer noch sexualisiert, für ihr Aussehen bewertet, für ihre Sexualität verurteilt und für Dinge verantwortlich gemacht, für die Männer oft nicht einmal kritisiert werden. Sie müssen sich Gedanken darüber machen, was sie anziehen, wie sie nachts nach Hause kommen, ob sie jemandem zu freundlich begegnen oder ob ihnen später vorgeworfen wird, sie hätten falsche Signale gesendet. Frauen erleben sexuelle Belästigung, Gewalt, Victim Blaming und werden nicht selten infrage gestellt, wenn sie über ihre Erfahrungen sprechen. Dazu kommen gesellschaftliche Erwartungen, unbezahlte Care-Arbeit, Benachteiligungen im Berufsleben und die Tatsache, dass Frauen sich häufig rechtfertigen müssen, wenn sie keine Kinder wollen, keine Beziehung führen möchten oder einfach nicht den Vorstellungen entsprechen, die andere an sie haben. Und nein, das bedeutet nicht, dass jeder Mann ein Täter ist oder dass Frauen grundsätzlich immer benachteiligt werden. Es bedeutet, dass strukturelle Probleme existieren, auch wenn nicht jeder Mensch sie persönlich erlebt oder wahrhaben möchte. Feminismus bedeutet nicht, Frauen über Männer zu stellen, sondern dafür zu sorgen, dass Geschlecht nicht darüber entscheidet, wie sicher, respektiert und frei ein Mensch leben kann. Es geht darum, dass Gleichberechtigung nicht nur ein schöner Satz in einem Gesetzbuch bleibt, sondern im Alltag tatsächlich gelebt wird. Ein Recht zu besitzen und dieses Recht ohne Angst, Benachteiligung oder gesellschaftlichen Druck ausüben zu können, sind nämlich zwei völlig verschiedene Dinge. Und genau deshalb macht mich dieses Argument so wütend: Es reduziert jahrzehntelange Kämpfe, reale Erfahrungen und weiterhin bestehende Probleme auf ein simples „Steht doch im Gesetz“. Als wäre das Leid anderer Menschen automatisch irrelevant, sobald irgendein Paragraf theoretisch auf ihrer Seite steht. Gesetze sind wichtig, keine Frage, aber sie sind kein Beweis dafür, dass eine Gesellschaft bereits gerecht ist. Wenn wir wirklich keine Probleme mehr hätten, müsste man nicht ständig darüber diskutieren, ob die Erfahrungen von Frauen überhaupt ernst genommen werden sollten. Wir brauchen Feminismus nicht, weil Frauen gesetzlich weniger wert wären, sondern weil rechtliche Gleichberechtigung allein keine gesellschaftliche Gleichstellung garantiert. Und solange Menschen lieber darüber diskutieren, ob Feminismus überhaupt noch notwendig ist, anstatt sich damit auseinanderzusetzen, warum er für so viele Menschen weiterhin notwendig ist, haben wir offensichtlich noch einiges zu tun.