Es geht mir um Kulturerhalt zwischen den Generationen. Ich habe beruflich mit Kindern aus so ziemlich allen Altersgruppen, von der Grundschule aufwärts, zu tun. Man versucht ja irgendwo up to date zu bleiben, weil es den Umgang mit Kindern erleichtert und irgendwo ja auch einfach interessant ist, zu sehen was bleibt und was sich verändert, im Vergleich zur eigenen Jugend. Was ich immer mehr beobachte, aber nicht das Gefühl bekomme, dass es wirklich jemand "wichtiges" mal thematisiert, ob in Medien, Politik oder dem Bildungswesen, ist das man irgendwo in der Mitte der 2010er eine rote Linie ziehen kann, was die Weitergabe von Kulturgut angeht.
Der große unterschied den ich sehe, ist das Eltern viel früher als Kurator für den Medienkonsum der Kinder ausscheiden. Bis zum ungefähr 12. Lebensjahr hatten meine Eltern und die meiner Freunde, noch sehr direkten Einfluss auf unseren Medienkonsum, dadurch wurden mit viele Kulturelle Aspekte vererbt. Der eine Fernseher den wir hatten, führte dazu, dass Kompromisse gefunden wurden mussten was meistens hies, dass meine Eltern mir viele ihrer eigenen Kindheitserinnerungen mit gegeben haben. Im Kindergarten war bei mir, Jahrzehnte nach erscheinen, Schlupp vom Grünen Stern oder Bilbo und seine Bande absolut geläufige Themen über die man sich ausgetauscht hat. Jeder hat die drei Fragezeichen oder Bibi und Tina gehört und das Ost Sandmännchen hat mir und einem großen Teil der anderen Kinder meine Schlafenszeiten vorgegeben. Quasi jeder in meiner Grundschule hatte die Asterix und Obelix filme gesehen und Comics gelesen und eigentlich jeder Junge den ich kannte, durfte irgendwann mal länger aufbleiben um mit seinem Vater Vier Fäuste für ein Halleluja zu gucken.
Diese Linie ist jetzt gebrochen, weil Eltern viel früher den Draht zu ihren Kindern einbüßen, da diese sich kulturell viel früher und umfänglicher von ihren Eltern entfernen. Dieses gemeinsame Fernsehgucken nimmt enorm ab, viele Kinder reagieren jetzt direkt ablehnend auf ältere Medien bzw. haben einen viel besseren blick dafür, dass etwas älter ist, als wir damals. Sie haben so viele Alternativen im digitalen Raum, dass sie ihren Bedarf restlos, wenn nicht im Übermaß, decken. Vor dem Siegeszug der Smartphones und Tablets im Kinderzimmer, haben die Eltern mit der Bücherei oder Videothek Karte oder der Entscheidungsgewalt über das TV Programm, viel mehr an ihre Kinder weiter gegeben. Das, dass jetzt so stark abnimmt, wird meiner Meinung nach den Zusammenhalt in der Gesellschaft nur noch weiter erodieren.