Servus.
Ich bin männlich, 20 Jahre alt und studiere Medieninformatik im zweiten Semester an einer Hochschule. Wobei man das nur schwerlich „studieren“ nennen kann.
Ich habe mich für dieses Studium beworben, obwohl ich weder Vorkenntnisse in Informatik besitze noch jemals gut in Mathe war. Informatik habe ich bisher nur passiv durch Zocken konsumiert und in Mathe war ich immer einer der Klassenschlechtesten. Trotzdem war ich bei der Immatrikulation bereit, all das zu lernen, weil irgendwas in mir für Informatik schlug (oder für das Geld, das in diesem Sektor liegt).
Obwohl ich mit großer Motivation angefangen habe, wurde ich schnell vom Rest meiner Kommilitonen abgehängt, da es wenig braucht um mich in einer Vorlesung abzulenken und ab da ist das ganze nur ein Ketteneffekt.
Irgendwann verlor das Anwesendsein jeglichen Sinn für mich, da ich mehrheitlich in der letzten Reihe mit zwei bis drei anderen „Abgehängten“ saß und irgendwas tat, das mit dem Unterricht absolut nichts zu tun hatte. Am Ende des ersten Semesters hatte ich gerade einmal zwei von sechs möglichen Prüfungen absolviert – und das auch noch in den beiden irrelevantesten Fächern meines Studiums. Meine Hochschule hat auch noch so ganz tolle Fristen, die mir den Raum zum verkacken abschneiden.
Seit drei Wochen, also kurz nach Semesterbeginn, bin ich so gut wie gar nicht mehr zu den Vorlesungen erschienen. Und ich finde auch weiterhin keine Motivation, es zu tun. Ich stehe nun also kurz davor, mein Studium abzubrechen. Wie man im Titel unschwer überlesen kann, wäre das mittlerweile mein drittes Studium.
Ich habe nämlich bereits zweimal vor diesem Studium studiert: einmal Elementarpädagogik und einmal Bibliothekswissenschaften. Ich finde die Geschichte fast schon lustig, denn in beiden Fällen habe ich mich blindlings für ein Studium angemeldet, bei dem ich nicht einmal wusste, worum es sich überhaupt handelt. Kein Scherz: Ich saß jeweils bei der Erstsemesterbegrüßung da und wusste nicht einmal, was zum Teufel ich da gerade studiere.
Was das war, erfuhr ich in beiden Fällen ziemlich schnell. Und ich muss sagen: Ich war so angetan, dass ich nach jeweils einem Semester den Exmatrikulationsbescheid unterschrieb.
Und nun sieht es ganz danach aus, als würde sich das Ganze wiederholen.
Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass Studieren zumindest in meinem jetzigen Zustand nichts für mich ist und eine Ausbildung vielleicht die schlauere Idee wäre. Mein größtes Problem ist nämlich, dass ich überhaupt nicht weiß, wie man ein Studium organisiert und sich den Stoff selbst beibringt. Besonders in meinem Studiengang kann dieser ziemlich trocken sein.
In der Schule habe ich früher nie gelernt, weil ich es einfach nie brauchte. Abgesehen von Mathe hatte ich in jedem Fach im schlechtesten Fall eine 3 und kam locker durch. Wenn mir die 5 in Mathe an die Kehle ging, konnte ich das immer durch eine 2 oder 1 in einem anderen Fach ausgleichen.
An einer Hochschule kommst du mit so einer Attitüde allerdings nicht weit. Wenn du nicht bereit bist, zu Hause selbstständig zu lernen, kannst du dir alles abschminken. Das durfte ich nun auch feststellen und ich sage es euch ehrlich: Ich habe keinen Bock mehr. Nicht nur auf lernen, sondern keinen Bock mehr auf alles, was da so dabei ist.
Keinen Bock mehr auf das triste Hochschulleben, auf Vorlesungen mit einer Teilnehmerquote von 10 %, auf Veranstaltungen um 8 Uhr morgens oder abends – nichts dazwischen. Keinen Bock mehr darauf, in der Vorlesung nichts zu verstehen, zu Hause nichts zu verstehen, niemanden beim Namen zu kennen und überhaupt nur zur Hochschule zu gehen, um in der letzten Reihe Online-Schach oder Blackjack zu spielen.
Ich gebe selbst zu, gewissermaßen eine faule Sau zu sein und habe deshalb überlegt, das Ganze hinzuschmeißen. Tue ich das, begrabe ich erstmal Plan A (Studieren) und steige auf Plan B (Ausbildung) um. Ich hab keine Lust mehr auf Theorie und möchte endlich Ertrag, sowohl in Form von Bildung als auch in Form von Geld auf den Tisch bringen.
Die Frage ist nur: Welche Ausbildung? Wann und wo kann man sich bewerben? Und wer garantiert mir, dass ich diese nicht ebenfalls abbreche?
Ein weiterer Punkt, der mich beschäftigt, ist meine Mutter. Ich möchte ihr nicht länger finanziell auf der Tasche liegen. Sie hat mir mittlerweile vier Semester lang die finanzielle Unterstützung ermöglicht, mit der Begründung: „Ich habe für Bildung immer Geld.“ All das, nur damit ich in der letzten Reihe sitze und einen absoluten Scheißdreck für meine Bildung tue.
Auch deshalb suche ich gerade nebenbei nach einem Minijob, um sie finanziell zumindest dahingehend etwas zu entlasten und die ganzen Einschreibungsgebühren selbst zu übernehmen.
Deshalb wollte ich hier einfach mal fragen, was ihr an meiner Stelle tun würdet.
Gibt es irgendeinen Weg, wie ich an der Hochschule bleiben und mein Studium doch noch durchziehen könnte? Oder ist der Drops gelutscht und ich sollte mich lieber nach einem anderen, meiner Situation angemesseneren Weg umschauen?
Ich danke euch